Ellipse zeichnen ohne Formeln und Rechnerei

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Die organische Form einer Ellipse versprüht nicht umsonst einen ganz besonderen Reiz. Das links abgebildete Schaukel-Ei ist ein schönes Beispiel dafür (den Bauplan gibts unter diesem Link). Trotzdem findet man diese Form nur ganz selten im Möbelbau, was sicher auch an der recht aufwändigen Konstruktion liegt. Deshalb möchte ich Ihnen einmal zwei sehr einfache Methoden zeigen, mit denen Sie in wenigen Minuten eine korrekt konstruierte Ellipse zeichnen können und das alles ganz ohne Formeln oder langwierige Rechnerei.
1. Die Leistenmethode

Alles was Sie dazu benötigen ist eine gerade Holzlatte, die Sie einfach rechtwinklig und mittig zur Holzkante auf das Werkstück spannen. In eine weitere dünne Holzleiste, die mindestens so lang sein muss wie der lange Radius der Ellipse, bohren Sie an einem Ende ein Loch für die Bleistiftspitze. Die Bleistiftspitze bis zum Leistenende ergibt dabei den langen Radius der Ellipse. Um den kurzen Radius der Ellipse zu erhalten, müssen Sie einfach von der Bleistiftspitze aus im entsprechenden Abstand einen Nagel in die Leiste schlagen, der auf der anderen Seite etwas vorstehen muss. Er dient als Anlagepunkt zur Werkstückkante und muss beim Aufzeichnen der Ellipse immer dicht an der Werkstückkante anliegen, während das Leistenende immer permanent an der Holzlatte vorbei gleitet (s. Bildfolge unten).
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Halten Sie den Nagel in der Holzleiste immer dicht an der unteren Werkstückkante und gleichzeitig das Leistenende an der aufgespannten Holzlatte. Beides muss immer dicht anliegend an Werkstück- und Lattenkante vorbei gleiten, wenn Sie die Ellipse aufzeichnen.
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Ellipsenkonstruktion ohne langwierige Formelrechnerei: Die Bleitsiftspitze bis zum Ende der Leiste ergibt den langen Radius der Ellipse (blauer Pfeilbereich). Von der Nagelspitze bis zur Bleistiftspitze wird der kleine Radius beschrieben (gelber Pfeilbereich).
Nur einen kleinen Wermutstropfen gibt es: Sie können (zunächst!) nur eine halbe Ellipse konstruieren. Aber indem Sie die Platte einfach als Schablone benutzen, können Sie aus der halben ganz leicht auch eine ganze Ellipse aufzeichnen.

2. Die Schnur- bzw. Kordelmethode ohne Formelrechnerei
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Sie können auch mit einer Schnur und zwei Nägeln eine perfekte Ellipse konstruieren und so gehts: Zeichnen Sie zuerst die längere Haupt- (Strecke AB) und kürzere Nebenachse (Strecke CD) auf das Holzbrett. Ermitteln Sie dann mit dem Zirkel (s. Infos rechtes Bild) die Abstände der Brennpunkte (F). Schlagen Sie in beide Brennpunkte je einen Nagel. Damit Sie die Länge der Schnur einfacher bestimmen können, schlagen Sie einen weiteren Nagel auch in den Punkt C. Nun brauchen Sie nur die Schnur um alle Nägel zu legen und zu verknoten. Entfernen Sie den Nagel aus Punkt C wieder und benutzen Sie jetzt einen Bleistift, um die Schnur zu straffen. Der Bleistift gleitet nun an der Schnur vorbei und markiert so die Umrisse der Ellipse. Achten Sie beim Anzeichnen immer auf eine straffe Spannung der Schnur durch den Bleistift.
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Die beiden Brennpunkte F können Sie nach einer Formel berechnen (Formel finden Sie im Bauplan zum Schaukel-Ei) oder ganz einfach ohne langwierige Rechnerei mit einem Zirkel oder Meterstab anzeichnen. Am konkreten Beispiel und den Maßen des Schaukel-Eis zeige ich Ihnen wie einfach das geht. Wenn Sie die beiden Ellipsenachsen aufgezeichnet haben, stellen Sie anschließend den Zirkel auf die halbe Länge der Hauptachse AB ein. In unserem konkreten Beispiel also auf 435 mm. Dann stechen Sie die Zirkelspitze in den Punkt C ein und schlagen je eine Markierung links und rechts in die Hauptachse. Diese beiden Zirkelschläge markieren nun exakt die Brennpunkte F aus dem linken Bild. Anstelle des Zirkels können Sie natürlich auch einen Meterstab zum Anzeichnen einsetzen.
Und in diesem Video zeige ich Ihnen wie Sie eine Ellipse mit der Oberfräse herstellen. Den Bauplan zur Vorrichtung finden Sie übrigens in meinem „Handbuch Oberfräse“ - viel Spaß dabei!